1. Jüdische Geschichte in Schöppingen

1683 erster Nachweis eines in Schöppingen wohnenden Juden: Joseph

1720 Mongenus Heyman in Schöppingen im fürstbischöflichen Geleit erwähnt

1730 Sohn? Samuel Magnus in Schöppingen im fürstbischöflichen Geleit aufgeführt

1739 Erwähnung von Samuel Magnus mit Frau und Kindern und altem Vater im Hause

1749 Erwähnung von Samuel Magnus mit seiner Frau Sybilla Levi und 4 Kindern

1763 Sohn Heuman Samuel in fürstbischöflichem Geleit

1795 Kleinhändler Heuman Samuel und seine Familie einzige Juden in Schöppingen

1803 1 jüdische Familie von 4 Personen („Haiman“/Heuman)

1806/10 Ansiedlung einer zweiten jüdischen Familie

1812 9 jüdische Einwohner

1818 11 Juden in Schöppingen (darunter 7 Kinder),

Religionsunterricht durch Privatlehrer

1823 erste Erwähnung des Schöppinger jüdischen Friedhofs

1827 12 jüdische Einwohner

1828 Familie Samuel Heimann hatte Haus mit Garten,

die Familien Heiman Salomon und Levy Raphael kein Eigentum an Grund und Boden,

Familie des verstorbenen Heiman Salomon „völlig arm“

1840 21 jüdische Einwohner

1843 4 jüdische Familien

Die wohlhabenste der Familien stellte ein Zimmer für den Gottesdienst zur Verfügung

1844 Berufsfelder der Schöppinger Juden: Manufakturwarenhandel, Kramhandel, Viehhandel

1846 Annahme fester Familiennamen, die 7 Schöppinger jüdischen Familien entschieden sich für:

Heimann/Heymann, Steinmann, Stern

Vorsänger und Lehrer Abraham Moses Schwabacher in Schöppingen

1849 27 jüdische Einwohner

1852 24 jüdische Einwohner

1855 22 jüdische Einwohner

1858 24 jüdische Einwohner

1855/58 Ansiedlung einer jüdischen Familie in Eggerode

1856 Schöppingen und Eggerode Untergemeinde der Ahauser Synagogengemeinde geworden

1858 24 jüdische Einwohner

1861 23 jüdische Einwohner

1871 ältester erhaltener Grabstein auf dem jüdischen Friedhof

1895 15 jüdische Einwohner

1902 14 jüdische Einwohner

1909 11 jüdische Einwohner

1914 9 jüdische Einwohner

1915 Soldat Hugo Heymann gefallen im Ersten Weltkrieg

3 volljährige Juden in Schöppingen

1922 nur noch ein jüdischer Einwohner (Adolf Heimann)

1924 3 jüdische Einwohner

1925 Ernst Ransenberg neu in Schöppingen

1935 3 jüdische Einwohner

1936 3 jüdische Einwohner

1937 3 jüdische Einwohner

1938 Dezember: Die letzten beiden jüdischen Schöppinger (Hilde Ransenberg und Sohn Werner) verlassen den Ort

1939 keine jüdischen Einwohner mehr in Schöppingen

1985 Eintragung des jüdischen Friedhofs in die Denkmalliste

2023 Verlegung von Stolpersteinen für Hilde und Werner Ransenberg

Der Kenner der jüdischen Geschichte in der Region Aloys Nacke schreibt zum Schöppinger jüdischen Friedhof:

„Die jüdische Gemeinde in Schöppingen besaß einen eigenen Friedhof, der erhalten ist. Er befindet sich in der Bauerschaft Ebbinghoff, außerhalb des Ortes an der Landstraße nach Horstmar in einer Senke. Dieser Begräbnisplatz wurde erstmals 1823 erwähnt. Der älteste Grabstein datiert auf das Jahr 1871. Insgesamt sind zwölf Grabsteine auf einer 485 m² großen Fläche, die am 11. Februar 1985 in die Denkmalliste der Gemeinde Schöppingen eingetragen wurde, erhalten. Während der NS-Zeit wurde der Friedhof nicht geschändet.“

2025 hat der Judaist Walter Schiffer alle Grabsteininschriften auf dem Schöppinger jüdischen Friedhof erfasst, übersetzt und veröffentlicht:

Walter Schiffer: Von sprechenden Steinen. Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Schöppingen, in: Historische Landeskunde des Westmünsterlandes 9 (2025) S. 87-122

Die Dokumentation der Grabsteininschriften ist auch online abrufbar:

http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=seh

Aloys Nacke: Ortsartikel Schöppingen, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Münster, hrsg. v. Susanne Freund, Franz-Josef Jakobi und Peter Johanek, (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen XLV), (Quellen und Forschungen zur jüdischen Geschichte in Westfalen, Bd. 2), Münster 2008, S. 625-628, Zitat S. 628.

online abrufbar: https://www.lwl.org/hiko-download/OA_MS/Sch%C3%B6ppingen_(Nacke)_625-628.pdf

Elfi Pracht-Jörns: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil IV: Regierungsbezirk Münster, (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Bd. 1.2), Köln 2002

[darin zu Schöppingen S. 110f., 162]

alte Aufnahme ( Fotoarchiv Heimatverein Schöppingen)

aktuelle Aufnahmen von 2026

Infotafel am Eingang des Friedhofs

Grabstein 1 Moses Steinmann
Bürgerlicher Name: Moses Steinmann
Synagogaler Name: Mosche Ben Schmuel (Steinmann Moses)
Geboren: 10.02.1803 in Schöppingen
Gestorben Sonntag, 08.05.1864

Grabstein 2a Israel Heymann

Bürgerlicher Name: Israel Hejmann
Synagogaler Name: Ascher, Sohn des Chajim
Geboren: 10.4.1815 Schöppingen
Gestorben: 12.4.1888 Schöppingen
Foto: Kreis Borken




Grabstein 2b : Rückseite Israel Heimann

Grabstein 3, Hugo Heymann

Bürgerlicher Name: Hugo Heymann

Synagogaler Name: –
Geboren: 07.05.1890 Schöppingen
Gestorben: 15.06.1915 La Bassée, Frankreich

Grabstein 4a rechts außen, Minka Heymann, 2. Grabstein

Minka Heymann

Bürgerlicher Name: Minka Heymann
Synagogaler Name: Mink/Minka, Tochter des Schlomo
Geboren: 12.12.1850 Schöppingen
Gestorben: 05.07.1871 Schöppingen
Foto: Kreis Borken

Grabstein 4b rechts außen Rückseite (Minka Heymann)

Grabstein 5a Mitte Salomon Heymann

Bürgerlicher Name: Salomon Heymann
Synagogaler Name: Schlomo, Sohn des Chajim
Geboren: 04.11.1810 Schöppingen
Gestorben: 08.02.1872 Schöppinge

Foto: Kreis Borken

Grabstein 5b Mitte Rückseite Salomon Heymann

Grabstein 6a Links außen , Jette Heymann

Bürgerlicher Name: Jette Heymann, geb. Sommer
Synagogaler Name: –
Geboren: 1813 Ostinghausen
Gestorben: 19.01.1875 Schöpppingen





Grabstein 6b Links Außen Rückseite Jette Heymann

Grabstein 7a Rechte Seite Heimann Heymann

Bürgerlicher Name: Heimann Heymann
Synagogaler Name: Chajim, Sohn des Schlomo
Geboren: 04.10.1844 in Schöppingen
Gestorben: 27.05.1920 in Schöppingen


Grabstein 7b Rück Seite Heimann Heymann

Grabstein 8a Johanna Heymann

Bürgerlicher Name: Johanna Heymann, geb. Goldberg
Synagogaler Name: Channa, Tochter des David
Geboren: 18.10.1850 Westerkappeln
Gestorben: 18.03.1930 Schöppingen
Foto: Kreis Borken

Grabstein 8b Johanna Heymann Rückseite

Grabstein 9a Julie Steinmann

Bürgerlicher Name: Julie Steinmann, geb. Herzfeld
Synagogaler Name: Gela, Tochter des Naftali
Geboren: 17.01.1836 Hüls (Krefeld)
Gestorben: 12.04.1904 Schöppingen

Grabstein 9b Rück Seite

Grabstein 10a, Isack Steinmann

Bürgerlicher Name: Isack Steinmann
Synagogaler Name: Jizchak, Sohn des Mosche
Geboren: 19.11.1836 Schöppingen
Gestorben: 29.08.1906 Schöppingen
Foto: Kreis Borken

Grabstein 10b, Isack Steinmann

Grabstein 11a, Bertha Steinmann

Bürgerlicher Name: Bertha Steinmann, geb. Eichengrün

Synagogaler Name: Täubche, Tochter des Jaakow
Geboren: 19.11.1838 Rösenbeck bei Madfeld (Kreis Brilon)
Gestorben: 20.02.1919 Schöppingen

Grabstein 11b, Bertha Steinmann

Grabstein 12 Minka Heymann (erster Grabstein)

Bürgerlicher Name: Minka Heymann
Synagogaler Name: Mink/Minka, Tochter des Schlomo
Geboren: 12.12.1850 Schöppingen
Gestorben: 05.07.1871 Schöppingen
Foto: Kreis Borken

Steinmann Familienmitglieder belegt am Ort seit 1705

bis etwa 1919 (nach und nach verzogen)

Stern Familienmitglieder belegt am Ort seit 1769

bis 1848 (ausgewandert nach USA)

Heimann/Heymann Familienmitglieder belegt am Ort seit 1806/10

bis etwa 1915 (nach und nach verzogen)

Ransenberg Familienmitglieder belegt am Ort seit 1925

bis 1938 (geflüchtet nach Brasilien)

Unmittelbar von Schöppingen aus wurde niemand in die Vernichtungslager verschickt.

Jedoch wurden neun jüdische Menschen, die gebürtig aus Schöppingen stammten, von anderen Orten aus deportiert und ermordet.

Sie wurden zwischen 1868 und 1890 geboren.

Ermordet wurden acht jüdische Frauen und ein Mann, und zwar 1942, 1943 bzw. 1944.

Ihre Todesorte waren Auschwitz, Izbica, Riga, Sobibor, Theresienstadt, Treblinka, Wolfenbüttel.

Quellen:

Gedenkbuch des Bundesarchivs, online abrufbar: https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/

Yad Vashem, Opferdatenbank online abrufbar: https://collections.yadvashem.org/de/names

Opfer des Holocaust wurden:

Aaron, Erna geb. Moses (* 22.03.1890 in Schöppingen)

Goedhardt, Fanny geb. Steinmann (* 12.10.1868 in Schöppingen)

Heimberg, Mathilde geb. Steinmann (* 10.08.1871 in Schöppingen)

Rosenbaum, Dina geb. Steinmann (* 24.12.1880 in Schöppingen)

Rosenthal, Henriette geb. Heymann (* 07.08.1876 in Schöppingen)

Schwarz, Julie Julchen geb. Steinmann (* 01.08.1873 in Schöppingen)

Steinmann, Helene (* 24.12.1880 in Schöppingen)

Steinmann, Siegfried (* 16.02.1873 in Schöppingen)

Wendriner, Rosalie geb. Steinmann (* 12.10.1881 in Schöppingen)

Erna Aaron geb. Moses

geboren am 22. März 1890 in Schöppingen

gewohnt in Ansbach und in Duisburg.

deportiert ab Koblenz − Köln − Düsseldorf
am 15. Juni 1942 in das Vernichtungslager Sobibor gebracht

für tot erklärt

Sie wurde 52 Jahre alt.

Fanny Goedhardt geb. Steinmann
geboren am 12. Oktober 1868 in Schöppingen
gewohnt in Worms und in Berlin

deportiert ab Berlin
am 2. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt gebracht
Todesdatum 30. Mai 1943

Todesort Ghetto Theresienstadt

Sie wurde nicht ganz 75 Jahre alt.

Mathilde Heimberg geb. Steinmann
geboren am 10. August 1871 in Schöppingen
gewohnt in Duisburg

deportiert ab Düsseldorf
am 25. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt gebracht
am 15. Mai 1944 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz geschickt

für tot erklärt

Sie wurde nicht ganz 73 Jahre alt.

Dina Rosenbaum geb. Steinmann
geboren am 24. Dezember 1880 in Schöppingen
gewohnt in Raesfeld

deportiert 1942 in das Ghetto Riga

für tot erklärt

Sie wurde etwa 62 Jahre alt.

Henriette Rosenthal geb. Heymann
geboren am 7. August 1876 in Schöppingen
gewohnt in Braunschweig und in Wolfenbüttel

Todesdatum Juli 1943

Todesort Wolfenbüttel

Sie wurde nicht ganz 67 Jahre alt.

Julie Julchen Schwarz geb. Steinmann
geboren am 1. August 1873 in Schöppingen
gewohnt in Dortmund

deportiert ab Dortmund
am 29. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt gebracht
am 23. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka geschickt

Todesort Vernichtungslager Treblinka

Sie wurde 69 Jahre alt.

Helene Steinmann

geboren am 24. Dezember 1880 in Schöppingen
gewohnt in Mülheim a. d. Ruhr

deportiert ab Düsseldorf
am 22. April 1942 in das Ghetto Izbica gebracht

kein Todestag bekannt

Sie wurde etwa 62 Jahre alt.

Siegfried Steinmann

geboren am 16. Februar 1873 in Schöppingen
gewohnt in Wuppertal

deportiert ab Düsseldorf
am 21. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt gebracht
am 26. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka geschickt

Er wurde 69 Jahre alt.

Rosalie Wendriner geb. Steinmann
geboren am 12. Oktober 1881 in Schöppingen
gewohnt in Dortmund

deportiert ab Gelsenkirchen − Dortmund
am 27. Januar 1942 in das Ghetto Riga gebracht

kein Todestag bekannt

Sie wurde etwa 61 Jahre alt.

Hilde Ransenberg, geborene Kiefer, wurde 1907 in Osterath, heute Stadt Meerbusch, geboren und heiratete dort 1931 Ernst Ransenberg.

Beide verzogen im selben Jahr nach Schöppingen und betrieben an der Amtsstraße 129 ein Manufaktur- und Textilwarengeschäft.

Ihr Sohn Werner wurde 1933 in Schöppingen geboren.

Ernst Ransenberg verstarb bereits 1937 im jüdischen Krankenhaus in Köln-Ehrenfeld.

Hilde und ihr Sohn Werner verließen aufgrund der antisemitischen und sich politisch immer weiter zuspitzenden Situation Ende 1938 Schöppingen.

Sie emigrierten mit Hilfe der örtlichen Amtsverwaltung wohl im Januar 1939 vom Hamburger Hafen aus nach Rio de Janeiro/Brasilien.

Ransenbergs heute nicht mehr vorhandenes Wohn- und Geschäftshaus in Schöppingen, Wiegbold 129 (später Amtsstraße 14) stand zwischen den Häusern ehemals Nienau (Amtsstraße 12) und Blick (Amtsstraße 16).

Dies war die letzte freigewählte Wohnadresse der Familie Ransenberg.

Der VHS-Arbeitskreis „Schöppinger Geschichte im 20. Jahrhundert“ hat deshalb angeregt, für Hilde und Werner Ransenberg an der Amtsstraße, wo sich ihr ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus befand, Stolpersteine zu verlegen, um an ihr Schicksal zu erinnern.

Damit reiht sich Schöppingen in die Liste der über 1.200 Städte und Gemeinden ein, die mit der Verlegung von Stolpersteinen an ihre ehemaligen jüdischen und anderweitig durch den Nationalsozialismus diskriminierten und verfolgten Einwohner erinnern.

Am 19. Dezember 2023 fand die Stolpersteinverlegung für Hilde Ransenberg geb. Kiefer und ihren Sohn Werner Ransenberg statt.