04. Zwangsarbeit

Inhalt:Während des Zweiten Weltkriegs waren deutschlandweit insgesamt mehr als 10 Millionen ausländische Zwangsarbeitskräfte eingesetzt. Ihre Anwesenheit gehörte zum Alltagserleben der deutschen Bevölkerung − auch in Schöppingen.

Die Zwangsarbeiter verschiedener Nationalität waren in Schöppingen alle zur Arbeit in der Landwirtschaft eingesetzt. 

Für das Schöppinger Gebiet konnten bisher rund 400 Zwangsarbeitskräfte namentlich ermittelt werden.

Im Verlauf des Krieges kam es in Schöppingen unter den Zwangsarbeitern 1944 zu vier Todesfällen:

Auf dem Schöppinger Friedhof befindet sich das Grab eines 19-jährigen Ukrainers. Die Inschrift auf seinem Grabstein ist in kyrillischer Schrift und lautet übertragen in unsere Schrift:

Leonid Kulinichenko (1925-1944), Virolyubivka, Oblast Donezk, Ukraine

Im Januar 1945 nahm sich der französische Zwangsarbeiter André Lebon das Leben.

Sein Grab befindet sich auf dem Schöppinger Friedhof.

Auswahlliteratur

Standardwerk:

  • Ulrich Herbert: Fremdarbeiter. Politik und Praxis des „Ausländer-Einsatzes“ in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn 1999

Für den Kreis Borken, zu dem seit 1975 der ehemalige Kreis Ahaus gehört:

Winfried Grunewald / Ingeborg Höting: Zwangsarbeit im Westmünsterland. Dokumente, Akten, Aussagen, (Schriftenreihe des Kreises Borken, Bd. XVII), Borken 2004 [darin zu Schöppingen S. 132-141, 245-261]

Liste aller Schöppinger Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeitskräfte

Neben den vielen Zwangsarbeitern, die vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt und einzeln auf den Bauernhöfen untergebracht waren, gab es zahlreiche Kriegsgefangene und Zwangsarbeitskräfte in Gemeinschaftslagern mit Wachtposten.

Hier folgt die Liste der Schöppinger Lager, die Bezeichnungen entsprechen denen in den Akten:

Die Quellenbelege zu den folgenden Informationen sind nachgewiesen bei Ingeborg Höting: Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager im ehemaligen Kreis Ahaus, in: Winfried Grunewald / Ingeborg Höting, Zwangsarbeit im Westmünsterland. Dokumente, Akten, Aussagen, (Schriftenreihe des Kreises Borken, XVII), Borken 2004, S. 37-184, speziell zu Schöppingen S. 245-261.

Wiegbold Schöppingen:

– Geplantes Kriegsgefangenenlager im Saal Albert Meyer (nicht eingerichtet)

Dieses Lager wurde zwar im November 1939 für 42 Kriegsgefangene geplant, aber nicht eingerichtet, wie der Amtsbürgermeister im Mai 1942 in der Akte notierte.

– Gefangenenlager für Russen in der Kegelbahn des Gasthofs Albert Meyer

Das Lager für Russen war von April bis Juni 1941 vorübergehend im Saal des Gasthofs Albert Meyer eingerichtet. Später befand es sich in der früheren Kegelbahn des Gasthofs und war im Mai 1944 mit 3 Ostarbeitern belegt.

Schöppingen-Gemen:

– Kriegsgefangenenarbeitskommando Nr. 124 für Franzosen, Schöppingen-Gemen

Das Arbeitskommando bestand seit spätestens Oktober 1941 und hatte eine Belegstärke von 34 Männern.

– Kriegsgefangenenlager Nr. 1502 für Franzosen bei Schulze Gemen, Gemen 5

Das Lager wurde 1940 eingerichtet und bestand bis zum Einmarsch der Alliierten. Es war mit 22 Franzosen belegt (Stand im September 1944), die bei den Bauern zur Arbeit eingesetzt waren.

Schöppingen-Haverbeck:

– Kriegsgefangenenarbeitskommando Nr. 195 / Kriegsgefangenenlager Nr. 1508 für Franzosen, Schöppingen-Haverbeck beim Bauern Heinrich Viefhues, Haverbeck Nr. 19

Das Lager wurde 1940 eingerichtet und im August 1943 aufgelöst, als die dort inhaftierten französischen Kriegsgefangenen zur Zivilarbeitern erklärt wurden. Es hatte eine Belegstärke von 17 Männern (Stand im Oktober 1941), die verschiedenen Bauern zum Arbeiten zugewiesen waren.

Schöppingen-Heven:

– Kriegsgefangenenarbeitskommando Nr. 196 für Franzosen, Schöppingen-Heven

Das Lager mit 27 französischen Kriegsgefangenen belegt (Stand v. 20.10.1941).

– Kriegsgefangenenlager Nr. 1509 für Franzosen, bei Heinrich Messing, Heven 2

Das Lager, auch als „Heven I“ bezeichnet, bestand von 1940 bis 1945 und war mit 24 Franzosen belegt (Stand im September 1944). Die Männer waren bei den Bauern zur Arbeit eingesetzt.

– Kriegsgefangenenarbeitskommando Nr. 403 / Kriegsgefangenenlager Nr. 1524 für Franzosen, Schöppingen-Heven Nr. 55 (Wwe. Alichmann)

Das Lager, auch als „Heven 2“ bezeichnet, wurde 1940 eingerichtet und im November 1943 aufgelöst, als die französischen Kriegsgefangenen als Zivilarbeiter weitergeführt wurden. Es hatte eine Belegstärke von 20 Männern (Stand im Oktober 1941), die in der Landwirtschaft eingesetzt waren.

Schöppingen-Ramsberg:

– Kriegsgefangenenarbeitskommando Nr. 197 / Kriegsgefangenenlager Nr. 1510 für Franzosen, Schöppingen-Ramsberg beim Bauern Schmedding

Das Lager wurde 1940 eingerichtet, hatte eine Belegstärke von 21 Männern (Stand im Oktober 1941) und wurde etwa im Juli 1943 aufgelöst, als die Kriegsgefangenen den Zivilarbeiter-Status erhielten. Die Franzosen waren in der Landwirtschaft eingesetzt.

– Lager für „beurlaubte“ französische Kriegsgefangene in der Kötterwohnung des Hofs Josef Bils, Ramsberg 25

Das Lager für 6 „beurlaubte“ französische Kriegsgefangene (Stand im Mai 1944), befand sich in der Kötterwohnung des Hofs. Die Bewachung erfolgte durch die Gendarme.

Strönfeld:

Geplantes Gefangenenlager im Strönfeld (nicht eingerichtet)

Das geplante Lager scheiterte im Oktober 1940 an der laut Arbeitsamt Rheine fehlenden Anzahl von Gefangenen.

Schöppingen-Tinge:

– Kriegsgefangenenarbeitskommando Nr. 137 Eggerode für Serben, Schöppingen-Tinge Nr. 3 bei Schulze Sievert

Das Lager wurde im Mai 1941 belegt, und zwar mit 20 serbischen Kriegsgefangenen. Es bestand mindestens bis zum April 1943.

– Kriegsgefangenenlager 1581 S für Serben bei Schulze Sievert, Tinge 3

Bei Schulze Sievert befand sich ein weiteres Lager mit 22 (Stand vom Mai 1944) bzw. 24 (Stand vom September 1944) serbischen Kriegsgefangenen.

Einzelunterbringung von Zwangsarbeitskräften

Außer der Lagerunterbringung gab es auch die Einzelunterbringung von Zwangsarbeitskräften auf den Höfen, wo sie arbeiten mussten. Die zugewiesenen Schlafstellen, die Verpflegung und die Behandlung waren sehr unterschiedlich. Die Betroffenen machten sehr verschiedene Erfahrungen − wurden manchmal gut, manchmal unwürdig behandelt. Nicht alle Arbeitgeber richteten sich nach den strengen, rassistischen Vorschriften des nationalsozialistischen Regimes, sondern nutzten Spielräume für Mitmenschlichkeit.

Zwangsarbeit in Schöppingen − Amtliche Quellen1940

Im Herbst 1940 wurden die polnischen Kriegsgefangenen in den Zivilarbeiterstatus versetzt – als „Freilassung“ bezeichnet. Sie blieben in Lagern, bewacht wurden sie nun nicht länger von Wehrmachtskräften, sondern der Polizei.

Der Ahauser Landrat gab zur „Freilassung polnischer Kriegsgefangener“ bekannt: „Die Freilassungstermine sind wie folgt festgelegt: Sonnabend, den 14.9.1940, 8 Uhr: 1. Schöppingen-Gemen 2. Schöppingen-Eggerode 3. Schöppingen-Ramsberg.“  

1942

Betreffend Entlausungsmaßnahmen bei polnischen Zivilarbeitern schrieb der Landrat im Januar 1942: „Die Entlausung erfolgt im Benehmen mit dem Staatl. Gesundheitsamt in Ahaus in den Krankenhäusern zu Gronau sowie in den Krankenhäusern Ahaus, Stadtlohn, Vreden, Epe und Schöppingen.“

„Verzeichnis der Arbeitgeber die russische Zivilarbeiter beschäftigen“: 23 Arbeitgeber werden mit Namen, Anschrift und zu zahlenden Beträgen aufgelistet; sie beschäftigten jeweils einen, vereinzelt auch zwei Russen, und zwar insgesamt 27 russische Zivilarbeiter (keine Namensangaben).“

(Angaben v. 22.06.1942); Quelle: GA Schöppingen E 60

1943

„Die Bauern beschäftigen Gefangene. Die Serben sind in einem Lager bei Schulze Sievert untergebracht. Franzosen und Polen werden als Zivilgefangene behandelt. Auch verschiedene Holländer arbeiten bei den Landwirten und Handwerkern.“

Quelle: GA  Schöppingen, Chronik der Schule Eggerode, Eintragung zum 17.04.1943

Der Landrat an den Amtsbürgermeister in Schöppingen v. 26.07.1943 betr. „P“-Kennzeichen für polnische Zivilarbeiter: „Anliegend werden 80 Abzeichen übersandt. Die Abzeichen sind kostenlos an die polnischen Zivilarbeiter auszuhändigen. Die Kosten der Kennzeichnung fremdvölkischer Arbeitskräfte werden von mir getragen.“

Quelle: GA Schöppingen E 242

1945

Französische Staatsangehörige, die gestorben und im Kreis Ahaus beerdigt sind: „André Lebon, beurlaubter franz. Kriegsgefangener, römisch-katholischer Religion, wohnhaft in Kirchspiel Schöppingen, Bauerschaft Gemen Nr. 23 ist am 9.1.1945 um 12 Uhr auf dem Dachboden des Gehöftes Gerhard Hölscher in Kirchspiel Schöppingen, Bauerschaft Gemen Nr. 23 erhängt aufgefunden. Die Bestattung erfolgte auf dem Gemeindefriedhof in Schöppingen. Todesursache: Selbstmord aus Schwermut.“  #Grab noch vorhanden?

Quelle: Verfügung des Landkreises Ahaus v. 16.09.1947 betr. vermisste französische Staatsangehörige im Kreis Ahaus und Antwort des Amtsdirektors v. 26.09.1947, GA Schöppingen E 60

Der Landrat v. 06.08.1945 an die Bürgermeister

„Die Militärregierung beabsichtigt, alle hier noch befindlichen Russen in Lager abzuschieben. Falls dort noch Russen sich befinden, ersuche ich um Angabe der Anschriften bis zum 20. August 1945.“ Maschinenschriftlicher Zusatz v. 09.08.1945 in Schöppingen: „Da Russen im hiesigen Amtsbezirk nicht mehr beschäftigt sind z. d. A.“]

Quelle: GA Schöppingen E 243

Bericht des Amtsbürgermeisters an den Landrat v. 29.08.1945:

„Auf dem Gemeindefriedhof in Schöppingen ist der Russe Lontis Kulenschenko [korrekt: Leonid Kulinichenko], geboren am 27.02.1925 beerdigt. Im Amtsbezirk Schöppingen sind Russen nicht mehr wohnhaft; auch sind im Krankenhause in Schöppingen kranke Russen nicht untergebracht. Soweit mit bekannt ist, sind den Russen ihre Löhne restlos gezahlt worden.“

Quelle: GA Schöppingen E 243

1947

Auskünfte v. 26.09.1947:

Standesamt Schöppingen: „Liste der [verstorbenen] Franzosen, die hier registriert sind: Lebon, André, geb. am 12. September 1915 in Calais“.

„Liste der Franzosen, die hier geheiratet haben: Fehlanzeige“.

Liste der Franzosen, die hier geboren sind: Fehlanzeige“.

Friedhofsamt: „Beerdigte Franzosen auf dem Ortsfriedhof Schöppingen: André Lebon, geboren am 12. September 1915 in Calais, gestorben am 9. Januar 1945. Das Grab befindet sich auf dem Ortsfriedhof Schöppingen, am Haupteingang links. André Lebon wurde am 9. Januar 1945 gegen 12 Uhr auf dem Dachboden des Gehöftes Gerhard Hölscher in Schöppingen, Bauerschaft Gemen 23, erhängt aufgefunden.“

„Liste der sich auf dem Ortsfriedhof Eggerode befindlichen Franzosengräber: Fehlanzeige.

Liste der sich auf dem Friedhof der Bauerschaft Gemen befindlichen Franzosengräber: Fehlanzeige.“ Gesundheitsamt: „Liste der Franzosen, die im Krankenhaus Schöppingen St.-Antonius Hospital Schöppingen gepflegt wurden“ [es folgt eine Liste mit 63 Namen und Aufenthaltsdauer].

„Liste der Franzosen, die noch wohnhaft sind: Fehlanzeige.“

Einwohnermeldeamt: Liste der Franzosen, die hier gewohnt und gearbeitet haben [es folgt eine Liste mit 54 Namen, Geburtsdatum, Wohnort und Arbeitgeber, Beschäftigungsdauer; sie ist offenbar unvollständig wie allein ein Abgleich mit der Krankenhausliste ergibt].

Polizeirevier: „Eine Fremdenkartei ist hierselbst nicht geführt worden. Die Franzosen wurden in der Kartei des Einwohnermeldeamtes geführt. Eine Liste der hier gewohnten Franzosen liegt bereits schon bei (siehe Liste d, Einwohnermeldeamt). Franzosen sind in den Tagesberichten nicht aufgeführt.“

„Liste der französischen Kriegsgefangenenlager, die im Amtsbezirk Schöppingen existierten:

1. Schöppingen Gemen, Nr. 1502, eingerichtet bei dem Bauern Schulze Gemen in Schöppingen, Bauerschaft Gemen Nr. 5. Das Lager wurde eingerichtet im Jahre 1940 und bestand bis zum Einrücken der alliierten Truppen. Die Gefangenen waren bei den Bauern zum Arbeiten eingesetzt.

2. Schöppingen-Tinge, Nr. 1581/S, eingerichtet bei dem Bauern  Heinrich Schulze Sievert in Schöppingen, Bauerschaft Tinge Nr. 3. Das Lager wurde eingerichtet im Jahre 1940 und bestand bis zum Einrücken der alliierten Truppen. Die Gefangenen waren bei den Bauern zum Arbeiten eingesetzt.

3. Schöppingen Heven I, Nr. 1509, eingerichtet bei dem Bauern Heinrich Messing in Schöppigen, Bauerschaft Heven Nr. 2. Das Lager wurde im Jahre 1940 eingerichtet und bestand bis zum Einrücken der alliierten Truppen. Die Gefangenen waren bei den Bauern zum Arbeiten eingesetzt.

4. Schöppingen Heven II, Nr. 1524, eingerichtet bei der Bäuerin Ww. Alichmann in Schöppingen, Bauerschaft Heven Nr. 55. Das Lager wurde eingerichtet im Jahre 1940 und wurde im November 1943 aufgelöst. Die Kriegsgefangenen wurden als Zivilarbeiter weitergeführt.

5. Schöppingen, Haverbeck, Nr. 1508, eingerichtet bei dem Bauern Heinrich Viefhues in Schöppingen, Haverbeck Nr. 19. Das Lager wurde im Jahre 1940 eingerichtet und im August 1943 aufgelöst. Die Kriegsgefangenen wurden als Zivilarbeiter erklärt.

6. Schöppingen, Ramsberg, Nr. 1510, eingerichtet im Jahre 1940 bei dem Bauern Schmedding in Schöppingen, Ramsberg 38. Das Lager wurde im Jahre 1943, etwa Juli, aufgelöst. Die Kriegsgefangenen wurden als Zivilarbeiter geführt. Sämtliche Gefangenen waren bei verschiedenen Bauern zum Arbeiten zugewiesen.“

„Angabe über Kolonnen von Kriegsgefangenen, die die Stadt (bzw. Ort oder Gemeinde) während des Krieges passiert haben: Fehlanzeige“.

Quelle: GA Schöppingen E 60

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Todesfälle unter den ausländischen Zwangsarbeitern

Auf dem Schöppinger Friedhof befindet sich das Grab für einen jungen Mann, der 1925 geboren wurde und 1944 starb. Der Grabstein hat eine Beschriftung in kyrillischer Schrift.

                              

                       Leonid

Kulinichenko

1925       Virolyubivka      1944

Oblast Donezk

Ukraine

Insgesamt hat es vier Todesfälle unter den Zwangsarbeitskräften in Schöppingen gegeben.

(vgl. Grunewald / Höting: Zwangsarbeit im Westmünsterland,  S. 141)

Stimmen aus Schöppingen zur Zwangsarbeit am Ort

In der Hofchronik Dillmann ist über Zwangsarbeit in Schöppingen zu lesen:

„Zudem werden auch immer mehr Landwirte zur Wehrmacht einberufen. Nur wenige können als „unabkömmlich“ zu Hause bleiben. Die Arbeit übernehmen die ohnehin überlasteten Bäuerinnen, die alten Leute und die Kinder. Waren vor dem Krieg und in den ersten Kriegsjahren noch Helfer aus dem Ruhrgebiet auf vielen Höfen, so werden danach Kriegsgefangene und aus der besetzten Heimat deportierte Zwangsarbeiter eingesetzt. Kriegsgefangenenlager gab es u. a. für Polen und Russen im Saal des Gasthauses Meyer, für Franzosen bei Schulze Gemen, ebenfalls für Franzosen bei dem Bauer Viefhues in Haverbeck, in Heven bei Heinrich Messing, auf dem Ramsberg bei Schmedding, für Serben bei Schulze Sievert in Tinge. Von den meisten Bauern sind die Gefangenen wie „normale“ Arbeitskräfte behandelt worden. Es soll da aber auch schon mal nicht so gut gewesen sein.“

[…]

„Nach der Befreiung der Zwangsarbeiter warteten diese auf ihre Rückführung. Man hatte sie in Lagern zusammengefasst. Eines dieser Hauptlager lag in der Nähe von Rheine. Nachts machten sich viele auf den Weg, um zu plündern usw. Sie raubten überwiegend Bauernhöfe aus. Ausschreitungen gab es in Schöppingen u.a. beim Textilgeschäft Brocks, das SS-Uniformen verkauft haben sollte. Bei der Firma Sasse, die noch Schnaps gehortet hatte, „stärkten“ sich Russen und Polen mit Alkohol. Sie zogen über Land und beraubten und plünderten viele Höfe. Bei den Bauern, die sie in den Kriegsjahren nicht gut behandelt hatten, rächten sie sich. Die Bauern selbst konnten nur wenig dagegen unternehmen. Sie waren ohne Waffen und auch auf die deutsche Polizei konnten sie nicht bauen. Auch die Besatzungstruppe griff so gut wie garnicht dagegen ein. Bauern, die ihre Kriegsgefangenen gut behandelt hatten, blieben meist von Überfällen verschont.“

Klärchen Pieper geb. Bröker (geb. 1933) erinnert sich (Gesprächsnotiz v. H. Cappenberg):

„Brökers (Klärchens Elternhaus) hatten einen Kroaten als Gefangenen bei sich zum Arbeiten. Offiziell durfte er nicht mit am Tisch sitzen, wenn gegessen wurde. Bei Brökers war der Kroate aber immer mit am Tisch. Der Kroate war sehr fleißig.“ Er hieß Nicola, wie sich Klärchens Bruder Albert Bröker 2020 erinnert.