07. Gräber aus dem Zweiten Weltkrieg und Ehrenmal auf dem Schöppinger Friedhof

Chronologische Liste der Kriegsgräber

Auf dem Schöppinger Friedhof befinden sich die Gräber von 11 Kriegstoten. Auf ihren Grabsteinen befinden sich folgende Inschriften:


1941
Soldat Hans Richter, † 5.1.1941



1944
Piotr Smolarski, † 25.8.1944 (aus Polen)



Leonid Kulinichenko (27. Februar 1925 – 29. Mai 1944), Virolyubivka, Oblast Donezk, Ukraine
Bericht des Amtsbürgermeisters an den Landrat v. 29.08.1945:
„Auf dem Gemeindefriedhof in Schöppingen ist der Russe Lontis Kulenschenko [Leonid Kulinichenko] ,
geboren am 27.02.1925 beerdigt. Im Amtsbezirk Schöppingen sind Russen nicht mehr wohnhaft; auch sind
im Krankenhause in Schöppingen kranke Russen nicht untergebracht. Soweit mit bekannt ist, sind den
Russen ihre Löhne restlos gezahlt worden.“
(Quelle: GA Schöppingen E 243)
Für diesen 19-Jährigen Ukrainer gibt es zwei Grabsteine auf dem Schöppinger Friedhof:
einen in der gleichen Form wie die anderen Kriegsgräber und einen zweiten mit kyrillischer Inschrift.



kyrillische Inschrift, übertragen in unsere Schrift:
Kulinichenko
1925 Leonid 1944
Virolyubivka, Oblast Donezk, Ukraine


1945
Otto Hermann Schulz, † 14.1.1945
Oberfähnrich Helmut Schwager, † 14.1.1945
Stabsgefreiter Franz Lutzner, † 21.3.1945
Stabsgefreiter Harry Waltereit, † 23.3.1945
Soldat Heinz Littau, † 24.3.1945
Soldat Günther Hassel, † 30.4.1945
Feldwebel Paul Schumacher, † 31.3.1945


André Lebon (12. September 1915 – 9. Januar 1945), Calais/Frankreich
Auskünfte der Schöppinger Gemeindeverwaltung v. 26.09.1947: (Quelle: GA Schöppingen E 60)
Standesamt Schöppingen: „Liste der [verstorbenen] Franzosen, die hier registriert sind: Lebon, André, geb. am 12. September 1915 in Calais“.
Friedhofsamt: „Beerdigte Franzosen auf dem Ortsfriedhof Schöppingen: André Lebon, geboren am 12. September 1915 in Calais, gestorben am 9. Januar 1945. Das Grab befindet sich auf dem Ortsfriedhof Schöppingen, am Haupteingang links. André Lebon wurde am 9. Januar 1945 gegen 12 Uhr auf dem Dachboden des Gehöftes Gerhard Hölscher in Schöppingen, Bauerschaft Gemen 23, erhängt aufgefunden.“

Foto des Grabsteins

Tote alliierte Soldaten

Vorübergehend waren auch 7 alliierte Soldaten auf dem Schöppinger Friedhof bestattet, die mit ihrem Flugzeug am 21. Juli 1944 abgeschossen worden waren und dabei ums Leben kamen.
Dazu steht in der Hofchronik Dillmann:
„Die Bauerschaft Ebbinghoff wäre um Haaresbreite am 21. Juli 1944 in Schutt und Asche gelegt worden. Am helllichten Tag und auch nachts flogen ganze Bomberstaffeln in Richtung Ruhrgebiet oder Münster. Aus
einem Bomberverband wurde ein englisches Flugzeug von deutschen Nachtjägern abgeschossen. Das Flugzeug kam genau über dem alten Friedhof auf die Ortsmitte zu. Kurz vor der Kirche machte der Bomber
eine Rechtsschwenkung, flog über die Lindenstraße, Mühlenweg, Rosenweg und explodierte über den letzten Häusern. Die Trümmer fielen in die Weide zwischen Schulten am Rosenweg und Eißing, Ebbinghoff.
Vorher waren die Bomben ausgeklinkt worden. Zwei gingen durch das Dach in den Tiefstall des Hofes Dillmann, 12 bohrten sich rund um Eißing, Wienefoet und Pohlkemper in den Boden, ohne zu explodieren, zwei flogen ein Stück weiter und explodierten ca. 300 m hinter Dillmann. Ein Entschärfungskommando, das
tags darauf ankam, war sprachlos. Wären die Bomben detoniert, so wären ganz Ebbinghoff und Teile der Stadt zerstört worden. Aus den Unterlagen der Royal Air Force wurde nach 50 Jahren festgestellt, dass der Bomber vom Typ Halifax III am 20.7.1944 nachts um 23.11 Uhr in England gestartet war, um Bottrop zu
bombardieren. Es wurde um 1.30 Uhr über Schöppingen abgeschossen. Dabei fanden 7 Besatzungsmitglieder den Tod, einer sprang rechtzeitig ab und geriet in deutsche Gefangenschaft. Die sieben Toten wurden zunächst auf dem Friedhof in Schöppingen beigesetzt und später auf den britischen Soldatenfriedhof in Reichswald bei Kleve umgebettet.“

Tote Zwangsarbeitskräfte

Leonid Kulinichenko (1925-1944), Virolyubivka, Oblast Donezk, Ukraine
André Lebon (geb. 12. September 1915 in Calais, gest. 9. Januar 1945.
Das Grab befindet sich auf dem Ortsfriedhof Schöppingen, am Haupteingang links.

Hinweise von Schöppinger Zeitzeugen auf Todesfälle

Deutscher Soldat
Klärchen Pieper geb. Bröker (geb. 1933) erinnert sich:

Karfreitagmorgen, es war der 30. März 1945, waren bei Pieper, Heven 45, morgens kurz auch deutsche Soldaten. Am Nachmittag des 30. März waren bei Bröker noch circa 12 bis 15 deutsche Soldaten, die sich hier versteckt hatten. Die Alliierten hatten davon erfahren und kamen nach Brökers. Fast allen deutschen Soldaten gelang kurz vorher die Flucht. Einer wurde erschossen.
Albert Bröker (Klärchens jüngerer Bruder) erinnert sich, dass der erschossene Soldat am Nachmittag des 30. März auf einer Wiese zwischen Beckmann (Tinge 10) und Webers (Horstmar, Schagern 22), von Tinge aus gesehen auf der rechten Seite, gelegen hat. Was weiter mit dem Toten passiert ist, wusste er nicht.
(Gesprächsnotiz v. H. Cappenberg)